Namasté und die damit verbundene Geste (Mudra) – die Hände vor dem Herzzentrum zu falten – ist in Indien und einigen anderen asiatischen Ländern ein gebräuchlicher Gruß und auch in Yogakreisen DIE Grußformel schlechthin!

Während wir im Westen meist auch „Namasté“ in Verbindung mit der Geste sagen, reicht in Indien die Geste der gefalteten Hände schon aus um zu verstehen was mein Gegenüber meint.

Doch was hat es damit überhaupt auf sich, was bedeutet es und warum sagen auch die Yogis hierzulande nicht einfach „Hallo“?

Namasté und seine Bedeutungen

Das Wort Namasté wird oft übersetzt mit: „das Göttliche in mir grüßt/verneigt sich vor dem Göttlichen in dir“ und so drückt dieser Gruß eine Ehrerbietung gegenüber einem anderen Menschen aus.
Er gilt als ein Zeichen höchsten Respekts vor dem Gegenüber und repräsentiert den Glauben, dass das Göttliche zu jeder Zeit, überall und in jedem von uns schlummert.  Egal welcher Glaube oder welche Religion!
Laut dem Yogalehrer Aadil Palkhivala, bedeutet „Nama“ sich verbeugen, „as“ bedeutet ich und „te“ bedeutet du. Namasté – ausgesprochen „Nah- Mah-Stay“ – kann somit mit „ich verbeuge oder verneige mich vor dir“ übersetzt werden.
Andere Übersetzungen lauten:
„Das Göttliche in mir verneigt sich/erkennt/würdigt das Göttliche in dir“

„Das Licht in mir reflektiert/spiegelt das Licht in dir“

oder auch einfach nur
„Hallo/Guten Tag“ – eine simple und nett gemeinte Begrüßung!

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Ausführung von Namasté 

Lege deine Hände vor dem Herzzentrum zusammen, senke die Stirn ein wenig in Richtung deiner Hände/deines Herzens und verneige dich leicht nach vorne. Die Augen kannst gerne schließen oder geöffnet lassen, ganz nach deinem persönlichen Empfinden.

Manchmal werden die Hände auch vor dem „Dritten Auge“, dem Punkt zwischen unseren Augenbrauen, gefaltet. Auch hier wird der Kopf leicht gesenkt und anschließend werden die Hände wieder zum Herzzentrum nach unten geführt. Dies ist ein Zeichen ganz besonderer Wertschätzung.

Es gibt unendlich viele Rituale und Bedeutungen von Namasté – wähle für dich das, was dir am besten gefällt!

Du kannst Namasté einfach zum Gruß, zur Verabschiedung oder einfach auch als eigenes Mudra für dich in der Meditation praktizieren. Ganz in deiner Art und Weise und wie immer es für dich passt und stimmig ist.

Geste der Verbindung, Sammlung, Zentrierung

Hinter dieser Geste der Sammlung und Ruhe, die auch “Anjali Mudra” heißt, liegt eine tiefe symbolische Bedeutung.

Mudra bedeutet im Sanskrit “Energiesiegel” oder “Zeichen”. Anjali selbst bedeutet “Angebot”.

Das Zusammenbringen der Hände im Zentrum steht auch für die Verbindung von rechter und linker Gehirnhälfte, für das Verbinden des Männlichen mit dem Weiblichen, von Geist und Materie, Tag und Nacht, usw.
Im Yoga versuchen wir die Gegensätze aufzulösen und all unsere Energie zusammenzuführen. Es geht um wahre Ausgeglichenheit von Körper und Geist.

Wir zentrieren unsere Energie im Herzen und richten unser Bewusstsein auf unser Innerstes, auf unsere Mitte, unser Zentrum.

Schon alleine die Ausführung – die Hände vor dem Herzraum zusammenlegen – unterstützt die innere Sammlung. Wenn du dann vielleicht noch bewusst den Kopf bzw. die Stirn ganz leicht, wenn auch nur Millimeter, den Händen zuneigst und dir den Raum zwischen Herzraum, Stirn und Händen vergegenwärtigst, dann kann das schon reichen in eine tiefe Empfindung zu kommen.

Im christlichen Kontext ist das Zusammenlegen der Hände ebenso sehr gebräuchlich und ein Zeichen der Konzentration, in der sich der Beter ganz auf Gott konzentriert. 

Somit ist diese Geste für mich universell und unabhängig von Religion und Glaube!

Es soll also nicht nur so ein dahergesagtes Wort sein… Es ist ein Gruß, der sehr sehr gefühl-, gehalt- und respektvoll ist. Unser Händedruck kann sich da ganz schön verstecken!

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Namasté – mein Ritual

Ich habe für mich ein Ritual im Zusammenhang mit Namasté oder dem Anjali Mudra, das zwar sehr persönlich ist, welches ich aber trotzdem gerne mit dir teilen möchte: 

Ich bringe meine Hände in Namasté, in der Mitte vor dem Herzzentrum zusammen, senke leicht meinen Kopf Richtung meiner Hände und verweile dort einen Augenblick, atme ein paar Mal ganz bewusst zu diesen Bereich hin.

Anschließend bringe ich meine gefalteten Hände an die Stirn zwischen die Augenbrauen – zum dritten Auge – und berühre diesen Punkt kurz. Hier sitzt die Intuition und unsere innere Weisheit. Ich bedanke und verbinde mich mit allem was „größer“ ist als ich.

Anschließend bringe ich meine Hände – noch immer in Namasté gefaltet – zum Boden und lege auch die Stirn auf dem Boden auf.  Ich verneige mich vor der Schöpfung, der Erde, dem Leben, der Liebe (oder wie auch immer du es bezeichnen möchtest) und bedanke mich.

Und ganz zum Schluss bringe ich meine Hände nochmal vor dem Herzen zusammen.
Diesen Punkt empfinde ich persönlich als meine Mitte, wo sich alles sammelt.

In meinen Yogastunden mache ich das immer gerne wenn ihr – meine Yogis – gerade ganz selig in der Endentspannung schlummert oder mit euch gemeinsam ganz zum Schluss der Einheit.

Aber jeder mag hier seine eigene Sichtweise und sein eigenes Ritual entwickeln – schließlich soll es für DICH stimmig sein!

Oder du kannst damit nichts anfangen und lässt es ganz weg. Auch das ist OK.

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Abschluss einer Yogastunde



Am Ende einer Yogastunde ist es mir wichtig mich bei dir mit Namasté – dieser schönen Geste –  zu bedanken bzw. dir meine Wertschätzung und meinen Respekt entgegenzubringen! Für mich ist es ein wunderbarer Abschluss einer Yogastunde, wo wir uns alle energetisch nochmal in unserem Herzzentrum verbinden können, frei von allen Bewertungen, Beurteilungen und unserem Ego. Unabhängig von unserer Sprache, Kultur und unseres Glaubens. Ganz im Moment, ganz im Hier und Jetzt. Namasté gibt uns die Möglichkeit uns selber zu ehren und anzuerkennen – genauso wie die Welt in der wir leben mit all ihren Wesen, Geschöpfen und der Natur.

Namasté und das Anjali Mudra erinnern uns daran, dass jeder von uns einen Platz in sich hat, wo es Licht, Liebe, Wahrheit, Frieden und Weisheit gibt. Einen Platz wo das Göttliche, unser Licht wohnt. Und wo wir alle gleich sind.
Dorthin kannst Du jederzeit zurück kehren.
Ich freue mich, Dich dort zu treffen.

die wohl schönste Geschichte rund um Namasté…

Es gibt die Geschichte das Mahatma Gandhi seinem Freund Albert Einstein in einem Brief erklärt hat, was „Namasté“ bedeutet. Egal ob diese Geschichte nun stimmt oder nicht, ich finde sie auf jeden Fall wunderschön:


 „Ich ehre den Platz in dir, in dem das gesamte Universum residiert. Ich ehre den Platz des Lichts, der Liebe, der Wahrheit, des Friedens und der Weisheit in dir. Ich ehre den Platz in dir, wo, wenn du dort bist und auch ich dort bin, wir beide nur noch eins sind.“



Somit bleibt nur mehr eines zu sagen:

Namasté!

Michi