F*CK Corona! Warum gerade nicht alles Licht und Liebe ist… – Überlebensstrategien in Krisenzeiten

Apr 7, 2020 | Blog

We are all in the same boat, but we are not all in the same storm…
Wir sitzen alle im selben Boot… aber wir erleben nicht alle den selben Sturm.

Für einige Menschen ist diese ganze Situation gerade einfach eine PAUSE. Zeit mal runterzukommen. Dinge zu tun für die sonst nie Zeit ist. Zeit mit der Familie zu genießen. Zeit alleine zu verbringen. Zu Meditieren, Sport zu betreiben, den Garten zu machen, kochen/backen oder was auch immer.

Für andere ist es ein STURM. Ein bisschen beängstigend. Den eigenen Rhythmus unterbrechend. Ständig Nachrichten verfolgen und sich doch irgendwie Sorgen machen. Aber wird schon irgendwie vorbeigehen.

Für andere ist das Ganze eine TORNADO. Ein Tornado der alles einreißt. Der einem das Dach über dem Kopf und den Boden unter den Füßen wegreißt. Gefährlich, dunkel, unbekannt. Lebensbedrohend, lebensverändernd.

Es ist nicht falsch diese Situation als vielleicht sogar wohltuende Pause zu empfinden. Aber bitte, bei allen gutgemeinten Tips und bei aller Spiritualität, lasst uns nicht vergessen das wir alle diese Situation anders erleben und verarbeiten – ja irgendwie überleben und durchstehen müssen.

Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg.
Genauso wie kein richtiges oder falsches Gefühl.


Respektiere den Tornado den ein anderer Mensch, deine Freundin, dein Nachbar, oder wer auch immer erlebt, auch wenn es dir genau gegenteilig geht. Es ist schön dass es dir selbst gut geht, aber hab Mitgefühl für alle denen es gerade anders geht. Genauso gilt natürlich das Gegenteilige. Bist du gerade im Tornado hab Verständnis für alle die diese Pause genießen.

Ich habe in den letzten Wochen mit echt vielen Menschen telefoniert.
Manche sind sehr gechillt und genießen nach 65h Arbeitswochen eine Auszeit. Andere haben wirklich Angst um ihre schwerkranken Eltern. Manche dieser Menschen haben aufgrund der Grenzschließungen keine 24-h-PflegerInnen mehr für ihre geliebten Eltern und wissen nicht wie es in den nächsten Tagen/Wochen weitergeht, müssen selber einspringen und kommen an den Rand der Belastbarkeit. Krankenschwestern die nicht wissen was noch alles auf sie zukommt.
Selbstständige haben Angst um ihre Existenz, haben kein Einkommen und Fixkosten laufen weiter. Andere wiederum wurden in Kurzabeit geschickt oder gekündigt. Manchen fällt zuhause mit Homeoffice und Homeschooling die Decke auf den Kopf und die Extremsituation für manche Menschen jetzt Zuhause in kleinen Wohnungen mit schreienden Kinder oder in toxischen Beziehungen ist ebenso extrem belastend.

Glaubst du es ist einfach für einen Menschen der gerade in einer solchen Situation wie oben ist sich hinzusetzen um über Licht und Liebe zu meditieren? Das Ganze als Chance sehen?

Soll wir ihm raten das Positive zu sehen, weil die Welt ja gerade eine Pause braucht? Sollen wir ihm sagen er solle seine Schwingung erhöhen um ja nicht nur in der Angst zu sein und dann wird alles gut?

Schon mal von Spiritual Bypassing gehört? Oder übertriebener, toxischer Positivität?

Spiritual Bypassing bedeutet nichts anderes als Vermeidung oder „Scheinheiligkeit“. Über die Realität und/oder bestimmte als negative gewertete Gefühle den Deckmantel der Spiritualität zu hüllen. Einfach mal so alles „wegmeditieren“. In Corona Zeiten auf diversen Social Media Kanälen der sogenannten Spirituellen und auch Yoga „Szene“ omipräsent.

Genau dasselbe gilt für das Thema der toxischen Positivität. Also ständig alles nur positiv betrachten zu müssen/sollen. Wir wollen ja das Glas halb voll sehen obwohl es vielleicht bereits kaputt ist und das Wasser darin dreckig und trüb.
Sollen uns zu positiven Gedanken zwingen damit wir unsere gute Schwingung nicht zerstören.
Yogalehrer mit schlechter Laune? Spirituelle Menschen mit Angst oder Wut? Energetiker/Therapeuten die selbst krank sind? Nein danke, dass passt doch nicht zusammen. Oder etwa doch?

Für mich selbst ist das Ganze gerade ein tägliches Auf und Ab. Emotional, Mental und Körperlich. Tiefen und Höhen. Täglich. Stündlich.

Ich versuche hoffnungsvoll zu bleiben. Übe mich darin im Vertrauen zu bleiben. Ich weiß das Ganze geht wieder vorüber. Ich bin mein ganzes Leben schon davon überzeugt, dass nichts ohne Grund passiert, also wird es auch diesmal so sein.
ABER in diesen Momenten der Krise und mitten in diesem Trauma ist es auch ok und vollkommen normal sich traurig, depressiv, verletzt oder was auch immer zu fühlen.
Wenn wir uns überfordert fühlen, dann deshalb weil es einfach gerade so ist. Wenn wir uns mental, emotional und physisch müde fühlen, dann deshalb weil es gerade einfach ermüdend ist. Wir sind mitten im Chaos, kein Wunder wenn gerade alles extrem herausfordernd ist.

Die Energie hinter dem Gefühl wahrnehmen

Wir heilen keine Wunden indem wir unsere Gefühle verleugnen oder sie unter dem Deckmantel der Spiritualität verstecken. Indem wir uns zwingen Positiv zu sein, obwohl das Ganze gerade echt surreal und herausfordernd ist. Es kann einfach auch mal befreiend sein, nicht gut drauf sein zu müssen. Wütend zu sein. Nicht produktiv sein zu müssen. Oder einfach mal das Vertrauen auch zu verlieren.

Denn gerade Gefühle wie Angst und Wut können oft ein Anstoß für Neues sein. Ein Katalysator dafür, endlich in die Gänge zu kommen. Vielleicht mal auszusprechen was dir wirklich auf dem Herzen liegt. Dinge zu klären. Vielleicht auch einfach um ins TUN zu kommen. Dinge zu hinterfragen.

Und auch Wut ist oft ein sehr wichtiger Anstoßgeber für Dinge und setzt eine unglaubliche Energie frei. Vielleicht lässt die Wut dich kritischer werden? Lässt dich Dinge auch mal hinterfragen anstatt alles hinzunehmen?
Vielleicht bringt die Wut in dir andere Dinge zum Vorschein die endlich gehört werden wollen? Kann ich die Energie die hinter der Wut steckt nutzen ohne dabei zerstörerisch zu werden?
Die Wut vielleicht sogar in Stärke umwandeln? Politisch aktiv werden? Kreativ werden? Uns anderweitig engagieren um gehört zu werden?

Und all das gilt natürlich auch für alle anderen scheinbar „negativ“ besetzten Gefühle. Es lohnt sich einfach sich auch diesen Gefühlen zu widmen anstatt sie einfach wegzuschieben oder wegzumeditieren. Sie kommen ohnehin wieder zum Vorschein, egal wie tief du sie vergräbst.

Was ist dann nun der Sinn einer „spirituellen“ Praxis?

Und, ganz klar, und das sage ich aus tiefster Überzeugung, nicht nur weil es mein Beruf (und meine Berufung) als Yogalehrerin ist. Eine spirituelle Praxis – egal ob du Yoga machst, meditierst oder was auch immer – hilft uns gelassener zu bleiben. Unterstützt uns mit einer gewissen Gelassenheit und mit mehr Vertrauen durchs Leben zu gehen. Lässt uns die Hochs und Tiefs des Lebens „besser“ annehmen. Bringt uns wieder mehr in Kontakt mit uns Selbst. Und zwar dem Licht und dem Schatten in uns. Und zieht auch immer darauf ab, in Kontakt mit etwas „Höherem“ kommen, wie auch immer du es bezeichnest (Universum, Quelle, Gott, Energie, Licht, Liebe, etc.). Eine spirituelle Praxis schafft immer mehr Verbindung, egal auf welchen Ebenen.

Und dieser Weg der „Selbstfindung“ ist nicht immer einfach, schön oder leicht. Es bedeutet nicht dass wir alle nur mehr durch die Gegend schweben und uns vom Alltag und dem „echten“ Leben abkoppeln können um nur mehr in unserer „Blase“ der Gleichgesinnten zu sein, wo alle (scheinbar) auf der gleichen Welle und Energie schwingen.

Es bedeutet viel mehr sich seiner selbst bewusster zu werden. Die eigenen Gefühle wahrnehmen. So manchen alten Glaubenssätzen auf die Spur kommen und für sich selbst zu überprüfen was noch wichtig und richtig ist für mich. Es bedeutet für sich auch dann zu mögen und mit sich selbst sein zu können, wenn mal gerade nicht alles Sonnenschein ist. Es bedeutet manches loszulassen, anderes zu akzeptieren. Manchmal für sich alleine, manchmal mit Unterstützung von außen um sich nicht zu verlieren.
Zu unterscheiden wann einfach nur auf Dinge, Sätze, Menschen reagiere weil mich etwas triggert, oder diesen Trigger mal bewusst wahrnehme und hinschaue warum mich das so stört und was dahinter steht.
„Spirituell“ zu sein bedeutet Authentisch zu sein. Und wir wissen alle, jeder – wirklich jeder von uns – hat seine eigenen Themen uns Schatten.

Aber vor allem findest diese Praxis mitten im Leben statt. Inmitten unsere vielleicht nicht so spirituellen Mitmenschen, inmitten des Alltags, inmitten dieser Gesellschaft mit ihren Regeln und Werten.

Überlebensstrategien in Krisenzeiten

Wie schon mehrmals gesagt, es gibt kein Richtig oder Falsch in dieser Krise. Keinen richtigen Weg. Aber vielleicht findest du ein bisschen Inspiration und Mut deinen Weg zu gehen, auch in diesen intensiven Zeiten.

Ich durchlebe gerade eine wirklich, harte Zeit. An manchen Tagen jogge ich fröhlich bereits am Morgen den See entlang. An anderen komme ich kaum von der Couch hoch, bin verzweifelt, wütend und voller Angst und muss mich weinend von meiner Freundin trösten lassen. Ich habe Existenzängste, Angst alles zu verlieren was ich mir die letzten 6 Jahre aufgebaut habe, bin gleichzeitig wütend weil ich keinen Anspruch in der ersten Phase des Härtefallsfonds habe und KEIN Geld bekomme. Gleichzeitig bin in unglaublich dankbar für mein Zuhause, meinen Ehemann, meinen Hund, für meine liebste Freundin, für die volle Vorratskammer und so vieles andere mehr.

Aber ich möchte dir (und mir selbst) Mut machen. Wir müssen nicht immer stark sein. Es geht jetzt in dieser Zeit nicht darum produktiv oder gut zu sein. Wir müssen das Ganze nur Überstehen und „Überleben“ – „Surrender how it actually is“ – wie es so schön im Englischen heißt.

Deshalb hier MEINE Überlebensstrategien:

👉- Ins TUN kommen – hol dir die KONTROLLE zurück

Dich auf das TUN konzentrieren gibt dir die Kontrolle zurück und erzeugt positive Gefühle wohingegen sich darauf zu fokussieren was wir nicht kontrollieren oder ändern können Stress erzeugt.

TU alles was dir hilft den Kopf über Wasser zu halten…
Kreativität ist schön, aber nur wenn es dir wirklich gut tut, nicht weil du glaubst etwas produzieren zu müssen. Mach Dinge des Tuns wegen, nicht des Ergebnisses wegen.
Und wenn du nichts tun willst, dann tu nichts.. es ist wirklich ok.
Wir alle wollen das Ganze nur irgendwie möglichst unbeschadet durchstehen.

TU was dir heute hilft… ausschlafen oder früh aufstehen?
Bewegung? Spazieren/Laufen/Yoga? Ein gutes Essen?
Cafe? Schokolade? Genug Wasser trinken?
Bestimmte Routinen aufrechterhalten? Sich für’s Homeoffice „schöner“ anziehen? Die Haare machen?
Neue Kochrezepte ausprobieren? Brot backen? Mit veganen Kuchen experimentieren?
Den Keller ausräumen oder die Wohnung ausmisten?
Oder lieber in Jogginghose den ganzen Tag herumhängen? Ist deine Überlebensstratgie stundenlanges Netflix-Binge-Watching? Gut so. Nocheinmal: es gibt keine gute oder schlechte Lösung/Verhalten in dieser Krise.

Und TUN kann aber auch sein, jemand helfen, ein offenes Ohr haben, Mitgefühl anderen aber vor allem auch DIR SELBST gegenüber.

Mein persönliches TUN ist gerade Yoga Videos für euch filmen, schneiden, bearbeiten. Online Kurse endlich abschließen. Lenkt mich super ab und bringt meine Gedanken wieder in etwas geordnetere Bahnen.

ABER, ganz wichtig: KEIN STRESS oder DRUCK!
Du musst nicht produktiv sein in dieser Isolation! Du musst keine neuen Projekte starten oder sonst etwas. Du musst nichts Neues beginnen oder Altes abschließen. Gib dir eine Pause – es ist eine stressige Zeit und es ist unmöglich perfekt zu sein, ganz ehrlich – wir machen alle einen tollen Job wie wir alle diese Situation meistern. Tu was dir gut tut und hilft.
Du musst auch keine neue Dinge lernen oder alte Dinge abschließen, nicht die 13. Yoga oder Fitness Einheit machen, nicht die Wohnung putzen
außer du hast Lust dazu.
Schaff dir keinen zusätzlichen Stress in dieser ohnehin schon stressigen Zeit!

👉 Bewegung und Natur

Raus aus dem Kopf rein in den Körper. Aus dem Denken ins Spüren. Sag ich euch schon im Yoga immer.
Gerade jetzt essentiell wichtig. Egal was immer du auch machst – beweg deinen Körper. Mach deine Home-Workouts, mach Yoga, geh spazieren, walken, Radfahren, Laufen/Joggen/Walken, egal was… mach irgendwas um dich zu SPÜREN! Um die ganze angestaute Energie zu bewegen. Und wieder ein bisschen mehr ins Fliessen zu kommen. Ins JETZT zu kommen.
Schon der große spirituelle Lehrer Eckhart Tolle sagt, der Weg ins JETZT führt auch über den Körper, die Lebendigkeit und Energie des eigenen Körpers spüren.

Es ist danach IMMER besser. IMMER. Und die Natur leistet ebenso einen großen Anteil daran.

👉 Nachrichten Pause – Social Media Stopp – oder/und nur bewusstes Konsumieren


Such dir Aktivitäten die dir eine Pause von den Nachrichten (TV, Social Media, Zeitung) geben; die Nachrichten nicht zu schauen bedeutet nicht dass es dir egal ist, es bedeutet viel mehr dass du dich auch mal um dich kümmerst.

Finde Aktivitäten die deine Gedanken auch mal zur Ruhe bringen oder dich an etwas anderes oder gar nichts denken lassen.
Siehe TUN und BEWEGUNG👆

Es muss nicht immer was produktives sein. Schau dir eine lustige Komödie oder einen Liebesfilm an (bei dem du so gar nicht mitdenken musst), lese einen Krimi, was auch immer.
Finde etwas dass dich ganz banal ablenkt oder unterhält.

👉 Feeling all the feelings – alles zulassen, alles fühlen

All diese Gefühle und Stimmungen gehören genauso zu unserem menschlichen Sein dazu. Und sind in dieser Krise wie jetzt ganz normal.
Jedes Gefühl ist ok, Traurigkeit, Verzweiflung, etc. gib dir Zeit zu fühlen, traurig zu sein, wütend zu sein. Sei ehrlich mit deinen Gefühlen. Befrei dich von dem Glauben dass etwas gerade jetzt so oder so sein müsste, oder wie du sein solltest.
Zwing dich nicht dazu immer positiv sein zu müssen. Das führt nur dazu noch frustrierter und emotional ausgebrannter zu sein; es ist ok wenn du mal schlecht drauf bist – Gefühle sind da und das ist ok so. Wir müssen sie nicht immer Bewerten und Beurteilen.
ABER behalte in Erinnerung- weder ein Gefühl noch diese Krise – wird ewig andauern wird und beides geht vorbei.
Widme dich deinen Gefühlen, schenke ihnen Aufmerksamkeit, lade sie eine Weile ein mit dir/bei dir zu sein. Aber irgendwann dürfen die Gäste dann das Haus auch wieder verlassen 😉

Was funktioniert für dich?
Was nicht?
Was sind deine Überlebenstrategien?

Schreib mir, ich freu mich von dir zu hören!


I feel you. Egal wie du dich gerade fühlst. Egal welche Phase du gerade durchmachst.

Let’s Surrender together!

WELCOME

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